Nordrhein-Westfalen Unions-Fraktionschef Spahn tritt zurück
Der Unionsfraktionschef Jens Spahn hat seinen Rücktritt erklärt. Hintergrund ist eine Debatte um eine Leihmutterschaft in den USA.
Unionsfraktionschef Jens Spahn und sein Mann sind mit Hilfe einer Leihmutter in den USA Eltern geworden - und das hat eine kontroverse Debatte in Deutschland ausgelöst. Da Spahn und die CDU sich in der Vergangenheit gegen Leihmutterschaften ausgesprochen hatten, war Spahn in die Kritik geraten. Am Ende ist der Druck offenbar zu groß geworden - am Samstag zog Spahn, der aus dem Münsterland stammt, Konsequenzen.
Wüst bedauert Spahns Rücktritt
NRW-Ministerpräsident Hendrik Wüst bedauert den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn. "In der Entscheidung von Jens Spahn zum Rückzug liegt eine große Tragik", erklärte Wüst. "Ich bedauere diesen Schritt persönlich sehr und kann ihn zugleich gut nachvollziehen."
Ich bin überzeugt: Viele Menschen werden das Dilemma zwischen politischem Anspruch und persönlicher Realität wahrgenommen haben.
Hendrik Wüst, NRW-Ministerpräsident
Der SPD-Fraktionsvorsitzende Matthias Miersch hat seinem Unionskollegen Jens Spahn (CDU) nach dessen Rücktritt Respekt ausgesprochen. "Wir haben in der Koalition sehr eng und vertrauensvoll zusammengearbeitet", teilte Miersch mit. Zur politischen Bewertung der Vorgänge äußere er sich nicht, das sei eine Frage, die die Union mit sich selbst klären müsse.
Rücktrittsforderungen aus der CDU
Der Entscheidung von Spahn war eine intensive Diskussion vorausgegangen. Aus Spahns eigener Partei, der CDU, kamen klare Rücktrittsforderungen. Andere formulierten es etwas vorsichtiger - so wie der frühere CDU-Bundestagsabgeordnete Wolfgang Bosbach aus NRW im Deutschlandfunk-Interview. Aber auch er nennt Spahns Vorgehen "politisch hochproblematisch".
Politiker machten die Regeln und erwarteten, dass sich alle daran hielten, sagte Bosbach. Wenn auch nur der Eindruck entstehe, dass sie für einige Menschen nicht gültig seien oder "nur genug Geld" da sein müsse, "dann ist das fatal".
Spahn selbst verteidigte im Podcast des Journalisten Paul Ronzheimer, dass er und sein Mann ein Kind durch eine Leihmutter in den USA haben austragen lassen. Er bedauere aber, sich nicht schon früher positioniert zu haben.
Für mich gibt es, und das wird mir jede Stunde immer bewusster, nichts Wichtigeres als meine Familie.
Jens Spahn, Unions-Fraktionschef im Bundestag
Auch CDU-Verband in Merz-Heimatstadt Brilon fordert Spahn-Rücktritt
Auch der Verband in Brilon, der Heimatstadt von Kanzler Merz, hatte in einem offenen Brief den Rücktritt von Unionsfraktionschef Jens Spahn (CDU) gefordert. Man halte das notwendige Vertrauen in ihn als Vorsitzenden der Bundestagsfraktion für nachhaltig beschädigt, heißt es in dem Schreiben, das auf der Internetseite des Stadtverbands veröffentlicht wurde.
Unsere Quellen:
- ARD-Hauptstadtstudio
- Deutschlandfunk-Interview mit Jens Spahn
- dpa
Sendung: WDR4, WDR aktuell, 18.07.2026, 14 Uhr