Martin Vincentz, AfD, spricht beim Parteitag in Marl in ein Megafon

Machtkampf im Landesverband NRW-AfD beendet turbulente Listenaufstellung

Stand: 17.07.2026 • 16:37 Uhr

In der AfD in NRW tobt ein Kampf. Der Streit um die Besetzung der Listenplätze für die Landtagswahl ist völlig eskaliert. Zwei Lager in der Partei stehen sich unversöhnlich gegenüber. Trotz Einmischung von Weidel und Chrupalla wird der Parteitag fortgesetzt.

Gegen die Forderung des AfD-Bundesvorstands, dass die NRW-AfD ihren Listenparteitag für die NRW-Landtagswahl abbrechen soll, hat die Landespartei am Freitag ihre Veranstaltung in Marl fortgesetzt. Ein Antrag auf Abbruch wurde mit einer klaren Mehrheit der rund 500 Delegierten abgelehnt. Daraufhin verließen mehrere Dutzend Mitglieder des "patriotischen Lagers" um den Bundestagsabgeordneten Matthias Helferich den Saal. Sie hatten zuvor den ersten Parteitag zur Listenaufstellung massiv gestört.

Martin Vincentz zur Fortsetzung des Parteitags

Vor dem Saal sprach der Landesvorsitzende Martin Vincentz per Megafon zu seinen Anhängern. Er nannte die Einmischung des Bundesvorstands "infam" und sagt, es liege in der Hand des Landesverbands, die Wahlen rechtssicher zu vollenden.

Die weiteren Listenplätze wurden bislang ohne Störungen gewählt. Die Auszählung erfolgt von Hand. Die Wahl dauert weiter an. Inzwischen könnte es sogar sein, dass der Landesverband noch an diesem Wochenende die Listenaufstellung abschließt. Damit wären die bislang terminierten weiteren Listenparteitage im September überflüssig.

AfD-Parteitag in Marl, Stimmen werden ausgezählt

Stimmauszählung in Marl

Die Fronten bleiben verhärtet

Der stellvertretende NRW-Landessprecher der AfD, Kay Gottschalk, sagte im WDR, aus rechtlichen Gründen müsse der Parteitag fortgesetzt werden. Er kritisierte den Bundesvorstand, zu dem auch der NRW-Landtagsabgeordnete Sven Tritschler gehört.

Tritschler sagte dem WDR, es gebe mehrere eidesstattliche Versicherungen, dass Delegierte des letzten Listenparteitags bedroht und genötigt worden seien. Das müsse nun zunächst geprüft werden. Bei einer Konferenz am Morgen haben nach WDR-Informationen 13 von 15 Landessprechern empfohlen, den Parteitag abzubrechen. Martin Vincentz habe dabei gefehlt, sagte Tritschler. Dem NRW-Landesvorsitzenden warf er parteischädigendes Verhalten vor.

Auch Matthias Helferich erhob im Gespräch mit dem WDR den Vorwurf, Delegierte seien durch den Landesvorstand bedroht worden. Dadurch sei der "Rechtsgrundsatz der Freiheit der Wahl" gefährdet worden.

Bundesvorstand tagt am Montag

Der Machtkampf zwischen dem NRW-Landesvorsitzenden Martin Vincentz auf der einen und Alice Weidel und weiteren Mitgliedern des Bundesvorstands auf der anderen Seite schwelt weiter. Am Montag tagt der Bundesvorstand der AfD, er wird sich erneut mit dem Thema befassen.

Unsere Quellen:

  • WDR-Reporter beim Parteitag der NRW-AfD
  • Eigene Berichterstattung

Sendung: WDR.de, Die AfD setzt ihren Listenparteitag in Marl fort, 17.07.2026, 12 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, WDR Aktuell, 17.07.2026, 16 Uhr
Sendung: WDR Fernsehen, Aktuelle Stunde, 17.07.2026, 18:45 Uhr

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